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Expedition ins Land des Leergutes – (missing text)
by Peter Shaw on Wednesday, 22 July 2009 at 14:29
Es ist ja eigentlich so gar nicht meine Art, aber was soll’s und eigentlich wollte man sich ja auch bessern. Ordentlicher werden, die Dinge erst gar nicht einreißen lassen. Quatsch ist es, von einen auf den anderen Tag ein neues Lebensgefühl erlangen zu wollen, so quasi der gute Vorsatz fürs neue Jahr und so. Lieber schleichend, langsame Umgewöhnung, jeden Tag ein bisschen besser sein. Sich jeden Tag loben können, statt sich einmal volle Kanne in den Arsch zu treten und sich obendrein noch eine Woche später dafür bestrafen zu müssen, es nicht gepackt zu haben.
So nahm ich die beiden Flaschen mit, ehe sich auch nur ansatzweise ein neuer Berg von Leergut im Flur zusammensammeln kann.
Tasche um, Geld rein, Sonnenbrille auf, – Schlüssel und los. Abendbrot besorgen, eventuell beim Türken um die Ecke beim Getränkemarkt. Erst die Flaschen zurück, Cola holen, dann reinspringen und schauen was da ist. Oliven vielleicht, oder das leckere Brot mit dem Käse innen? Hauptsache mal wieder was anderes, als der schnelle Alltagsscheiß, der die ganze Woche herhalten musste. Irgendwie den Anfang vom Wochenende markieren. Wenigstens einen Abend Urlaubsgefühle. Man gibt sich mühe, so gut man kann. Illusionen. Werbung funktioniert ja schließlich auch, dachte ich während ich vor dem Rückgabeautomat des Tengelmann-Getränkefachhandels stehe und warte bis die chronisch relaxt im Zeitplan lebende Mutter mit ihrem irgendwie vollkommen in den Wolken schwebenden Kind fertig ist, das Leergut der gesamten, wahrscheinlich fünf Köpfigen Familie pädagogisch sinnvoll zusammen zu entsorgen.
Sicherlich währe es gewichtsmäßig einfacher gewesen, wenn Tochter die Einzelflaschen übernommen hätte, während sich Muttern um die Kisten kümmert. Auf Grund der Höhenunterschiede entschloss man sich vor meinem Eintreffen jedoch anders. Die Dame, kaum älter als ich, gepflegte, für junge Mütter ausnahmsweise lange Haare, plapperte unentwegt mit angenehmer Stimme während der Automat Flasche für Flasche brav entgegennahm. Bei mir geht das igentlich nie so fehlerfrei. Da kommen schon mal die einen oder anderen Flaschen wieder aus der lustigen Öffnung zurückgefahren und ich werde mit noch viel lustigeren Fehlermeldungen auf die Probe gestellt. Bei ihr ist jeder Versuch ein Treffer! Ich glaube das ist einfach die Natur und natürlich auch die Übung. Muss ja im Plan liegen, schließlich hat man noch die Besorgungen für den Feiertag zu tätigen, die Vorbereitungen für den Besuch zu machen und wie ich erfahre, die Kindergartenfreundin der Kleinen zu besuchen, um sich für das Haareziehen heute morgen zu entschuldigen. Werte, auf die wieder wert gelegt wird, stelle ich wohlwollend fest.
Es ist ja nicht so, als würde mich das warten sonst nicht stören, aber die gepflegte Sprache, eventuell das angenehme äußere Erscheinungsbild der Mutter und das, wie aus der Martel-Werbung entsprunge Kleine, das mich irgendwie an Nächte mit guten Meskalin-Pillen erinnert vertreibt mir willkommen die Zeit und lässt mich von meinem Tag ein wenig Abstand gewinnen. Es pustet nicht, sonders es fegt ruhig wie Beppo, meinen Kopf ein wenig frei. Besenstrich für Besenstrich. Angenehm. Entspannend eher.
Lisa heißt die kleine, erfahre ich im Zusammenhang einer liebevoll ausgesprochenen Bitte von der Mutter, die bestimmt einen Namen wie Pia oder Patricia trägt. Jedenfalls bestimmt etwas mit P vorne. Es gibt eben so Vermutungen, die überlegt man sich nicht, die sind einfach da. Keiner weiß genau wo her die kommen und manchmal sind sie ja auch richtig. Ich frage nicht, genieße das Programm. Lass mich entertainen. Höre der Bitte zu, dass sich Lisa nicht die Finger klemmen soll!
Es scheint als hätte die Mutter ein gesundes Vertrauen, das Lisa weiß auf ihre Worte zu hören. P… ist eine Mutter, die nicht hektisch umsorgt dem Kind auf Schritt und Tritt hinterher springen muss, in Panik das sie eine Schramme oder irgendwas dergleichen zuziehen könnte. Nein, das Verhältnis der beiden scheint zu stimmen und die Fähigkeit der verbalen Kommunikation wird in diesem Hause wohl gepflegt. Lisa ist ein Kind was ich in meiner gegenwart dulde und nicht sofort stöhnend das weite suche. Ganz egal wohin, nur nicht in die nähe von nervigen Kindern nach einem Arbeitstag wie diesem. Ob dabei der Rücken der Mutter eine wichtige Rolle spielt mag ich zwar bezweifeln, kann dies aber nicht völlig von mir weisen. Sie schiebt weiter in nun routiniert mechanischer Abfolge die Flaschen in die Runde Öffnung, während ihre Tochter, vom Förderband der Kistenannahme hineingezogen vom inneren des Automaten antwortete, das sie auf ihre Finger aufpassen werde. Ich vermute, das im Augenwinkel noch die Füße zu sehen waren.